Rheinaue

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Totholz an und in Gewässern

Das Totholz gelangt aus Wäldern und Ufergehölzen infolge von Absterbeprozessen, Ufererosion, Hangrutschungen, Wind- und Schneebruch oder durch die Tätigkeit von Bibern in die Gewässer. Auch bei Hochwasser reißt das Wasser von Bächen und Flüssen Äste von Ufergehölzen ab und manchmal werden sogar ganze Baumstämme entwurzelt, die das Wasser dann als Treibgut mit sich führt. Bei nachlassender Strömung lagert es sich auf Kies- und Sandbänken sowie am Ufer über und unter Wasser wieder ab.

Totholz gestaltet durch Umlenkung des fließenden Wassers das Gewässerbett immer wieder neu und schafft so ein vielfältiges Nebeneinander von unterschiedlichen Lebensräumen.

Unzählige Lebewesen profitieren von Totholz: Es dient Säugetieren, Krebsen und Fischen als Unterschlupf und Laichplatz; Pilze, Bakterien und Insekten ernähren sich von dem Totholz.

In begradigten, künstlich ausgebauten Gewässern gibt es in der Regel kein Totholz. Erst mit der Renaturierung solcher Gewässer und dem Einbau von Totholz kehren viele gewässertypischen Tier- und Pflanzenarten zurück.

Es mag widersprüchlich klingen, aber Totholz im und am Wasser bringt vielfältiges Leben in die Auen.

 

Auenvegetation

Die Auenvegetation wird vom Rhythmus des Rheinwassers bestimmt. Im Laufe eines Jahres herrscht an den Ufern ein stetiger Wechsel aus Überschwemmung und Austrocknung. Die Pflanzen der Aue haben sich an die wechselnden Umweltbedingungen auf verschiedene Weise hervorragend angepasst.

Gehölzfreie Aue:

Die gehölzfreie Aue grenzt direkt an das Rheinufer an. Aufgrund der Nähe zum Fluss ist dieser Bereich mehr als die Hälfte des Jahres überschwemmt. Bei hohem Wasserstand reißt die starke Strömung oft ganze Uferbereiche weg und schwemmt das Erdmaterial flussabwärts wieder an Land. Deshalb wachsen hier meist nur einjährige krautige Pflanzen. Die kurze überschwemmungsfreie Zeit im Sommer reicht diesen schnellwüchsigen Gewächsen aus um zu blühen und Samen auszubilden. Daher sind sie gegenüber mehrjährigen Pflanzen, wie Sträuchern oder Bäumen, klar im Vorteil.  Einige Arten, wie der Wasserhahnenfuß (Ranunculus spec.) oder der Wasserknöterich (Persicaria amphibia) können sowohl im Wasser als auch an Land gedeihen und sind an die unsteten Bedingungen des Rheinufers perfekt angepasst. Weitere typische Arten der gehölzfreien Aue sind der Rohrkolben (Typha spec.) oder das Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea).

 

Weichholzaue:

In einiger Entfernung zum Rheinufer beginnt die Weichholzaue. Auch sie ist den Launen des Flusses ausgesetzt und mindestens einmal im Jahr überflutet, auch schon bei mäßigem Hochwasser. Der Rhein schwemmt immer wieder Sand, Kies und Schlamm an und es kommt stellenweise zu Erosion. Die Kräfte des Wassers wirken hier aber nicht ganz so stark wie im direkten Uferbereich. Deshalb können hier auch Bäume und Sträucher wachsen. Weiden (Salix spec.) und Pappeln (Populus spec.) sind wahre Überlebenskünstler und haben sich besonders gut an das Zusammenleben mit dem Fluss angepasst. So sorgt die Biegsamkeit der Weidenzweige z.B. dafür, dass diese bei starker Strömung nicht einfach abreißen. Kommt es doch einmal zu Beschädigungen am Stamm oder zu Astabbrüchen, können sich Weiden und Pappeln aufgrund ihrer großen Regenerationsfähigkeit schnell wieder erholen. Ihre dicke Rinde schützt die Bäume außerdem vor Treibgut oder schwimmenden Eisschollen bei Hochwasser im Winter. Die Bäume der Weichholzaue können wochenlanger Überflutung trotzen. Aufgrund der regelmäßigen Überschwemmung und der damit einhergehenden Sedimentations- und Erosionsprozesse ist die Kraut- und Strauchschicht in der Weichholzaue nur schwach ausgeprägt.

 

Hartholzaue:

 

In der Hartholzaue kommt es nur bei starkem Hochwasser zu Überschwemmungen. Diese finden meistens in den Wintermonaten oder zu Beginn des Frühjahrs statt. In den Sommermonaten können die Böden der Hartholzaue hingegen oft sehr trocken sein. Die Pflanzen, die hier wachsen, müssen daher sowohl Nässe als auch Trockenheit gut ertragen. Charakteristische Baumarten der Hartholzaue sind Stiel-Eiche (Quercus robur), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Traubenkirsche (Prunus padus) oder Ahorn (Acer spec.). Die Waldrebe (Clematis vitalba) klettert oft an diesen Bäumen in Richtung Licht.  Aufgrund der selteneren Überflutungen bildet sich in der Hartholzaue eine artenreiche Kraut- und Strauchschicht aus. Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Gewöhnlicher Schneeball (Virburnum opulus) oder Kornelkirsche (Cornus mas) sind nur einige der vielen Straucharten, die in der Hartholzaue vorkommen. Besonders im Frühjahr, wenn die Bäume und Sträucher noch keine Blätter haben, lohnt sich ein Blick auf den Waldboden. Krautige Pflanzen wie das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides), der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) oder der Wald-Ziest (Stachys sylvatica) erfreuen im Frühjahr mit ihrer Farbenpracht. Sobald sich das Blätterdach über ihnen geschlossen hat, werden sie unscheinbar, bevor sie im nächsten Frühling wieder alle Blicke auf sich ziehen.

 

Folgen der Rheinbegradigung für die Auenvegetation:

Die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla und die Schiffbarmachung des Rheins im 19. und 20. Jahrhundert führten zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Austrocknung weiter Bereiche im Einzugsgebiet des Rheins. Der in die Schranken gewiesene Rhein tritt heute seltener über seine Ufer, sodass die Auwälder nicht mehr regelmäßig überschwemmt werden. Dies hat zur Folge, dass typische Auewaldgesellschaften mit ihrer charakteristischen Flora und Fauna selten geworden sind.

Die Aue mit unterschiedlichen Wassertiefen sowie Anlandungen (© V. Späth).
Fließender Übergang zwischen gehölzfreier Aue und Weichholzaue (© V. Späth)
Der Einfluss des Wassers ist in der Weichholzaue deutlich sichtbar. In den Baumkronen hängt Treibgut des letzten Hochwassers (© V. Späth).
Hartholzaue an einem sonnigen Frühlingstag (© V. Späth).